Fanggrüscht und Uffangnetz nach BauAV: d 2-m- und d 3-m-Regle
Wie tüüf e Fanglag oder es Netz under de Absturzkante lige darf, was «uskragend» heisst und uf was Si bi Waar us Dütschland achte sötted.
Es Fanggrüscht darf i de Schwiiz en Absturz vo höchschtens 2 m uffange, es Uffangnetz eine vo höchschtens 3 m. So stönd s i de Artikel 66 und 67 vo de Bauarbeitenverordnung (BauAV). Wänn s Fanggrüscht uskragend baut wird, mues es mindeschtens 1,5 m vorstah, und sin Belag mues für d Wucht vo me Mänsch, wo abegheit, bemässe sii. De Bitrag vertüüft eusen Überblick Sicher uf em Grüscht für Rohbau, Holzbau und Dachrand: mit Rächnigswäg, hüüfige Planigsfähler und de dütsche Wärt, nach dene vil Material baut und beschribe isch.
Uffange isch di zwöit Wahl
Bevor Si Fanglage oder Netz iiplaned, lohnt sich d Fraag, öb mer de Absturz nöd ganz verhindere cha. Siiteschutz schriibt d BauAV vor, wänn mer meh als 2 m tüüf cha gheie; s glich gilt a Böschige, wo höcher als 2 m und stotziger als 45° sind, und am Wasser (Art. 23). Gaht s im Hochbau um meh als 3 m, mues es Fassadegrüscht stah (Art. 26).
Fanggrüscht und Uffangnetz chömed det zum Zug, wo es Gländer a de Kante technisch nöd gaht: a offene Deckeränder im Rohbau, bim Verlege vo Dach- und Deckeelement im Holzbau oder bi Arbete under Halledächer. Di dütschi DGUV Information 201-011 macht us de glichen Überlegig e feschti Reiefolg: zerscht Absturzsicherig, dänn Uffangiirichtig, ganz am Schluss persönlichi Schutzusrüschtig. Es Fanggrüscht isch det nur vorgseh, wänn s Bauwerk oder d Umgäbig kein Siiteschutz zuelönd.
D 2-m-Regle für Fanggrüscht
Gmässe wird sänkrächt: vo de Kante, über die öpper abegheie cha, bis zum Belag, wo ne uffangt. De Höcheunderschiid darf nach Art. 66 BauAV höchschtens 2 m sii. Mit jedem Zentimeter meh Fallhöchi wird d Energie grösser, wo uf de Belag trifft. Drum verlangt d Verordnig, dass de Fangbelag für die dynamischi Belaschtig uusgleit isch. Art. 47 zellt Sprüng und Stürz usdrücklich zu de Laschte, wo es Grüscht mues träge.
Was «uskragend» bedüütet
Wänn d Fanglag siitlich über s tragende Grüscht usestaht, redt mer vo me uskragende Fanggrüscht. Da fordert d BauAV e Uskragig vo mindeschtens 1,5 m. De Grund isch eifach: Wer über e Kante gheit, fallt sälte schnuergrad abe, sondern meischtens mit Schwung nach usse. E z schmali Fanglag würd d Person verfehle.
Rächnigsbispiil Rohbau
Es Mehrfamiliehuus wird Gschoss für Gschoss betoniert, jedes Gschoss isch 2,80 m höch. D Deckekante über em 2. Obergschoss liit uf 6,20 m über Terrain. De Fangbelag darf also nöd tüüfer als uf 4,20 m lige. Wänn nachher di nächscht Decki uf 9,00 m gschalt wird, langet die Lag nümm, will zwüsche 9,00 m und 4,20 m 4,80 m liged. S Fanggrüscht mues also mit em Bau mitwachse, im Bispiil bi jedem Gschoss, will scho ei Gschosshöchi d 2-m-Gränze überschriitet.
- Höchi vo de Absturzkante minus 2,00 m git di tüüfscht erlaubt Lag vom Fangbelag.
- Isch d Gschosshöchi grösser als 2 m, wanderet d Fanglag mit jedem Gschoss mit.
- Wird uskragend baut, isch d Uskragig mindeschtens 1,5 m.
Uf de Fanglag sälber stelled Si kei Material ab. D DGUV verbüütet das für Fanggrüscht usdrücklich, und de Grund isch klar: Palette oder Schaligstafle würed genau det lige, wo im Ernschtfall en Mänsch ufschlaat.
D 3-m-Regle für Uffangnetz
Es Uffangnetz darf nach Art. 67 BauAV en Sturz us höchschtens 3 m uffange. Netz passed drum det, wo under de Kante kei Grüscht stah cha: under Halledächer, über offene Treppenauge oder im Holzbau, wänn Element verleit wärded.
Es Bispiil us em Hallebau: D Pfette liged uf 7,50 m. S Netz mues also uf mindeschtens 4,50 m gspannt sii. Dänked Si dra, dass es Netz bim Uffange nachgit. Drunder bruucht s gnueg freie Platz, damit de Sturz nöd uf em Hallebode, uf ere Maschine oder uf ere tüüfere Decki ändet. Wie fescht es bestimmts Netz durehanget und wie mer s befestiget, staht i de Aagabe vom Netzhersteller.
Netz oder Fanggrüscht?
| Kriterium | Fanggrüscht | Uffangnetz |
|---|---|---|
| Gröschti Absturzhöchi nach BauAV | 2 m (Art. 66) | 3 m (Art. 67) |
| Bsunderi Vorgab | uskragend mindeschtens 1,5 m, Belag für dynamischi Lascht | Befestigig und Freiruum nach Herstelleraagabe |
| Typische Iisatz | Deckeränder im Rohbau, wo sowieso es Grüscht staht | Halle, Holzbau, Flächene ohni Grüscht drunder |
| Grundlag für d Planig | Aufbau- und Verwendungsanleitung vom Grüschtsystem | Unterlage vom Netzhersteller |
Am Dachrand gälted eigeti Artikel
Für Arbete uf em Dach gseht d BauAV eigeti Lösige vor, wo strenger sind als d 2-m-Regle: je nach Dachneigig Spenglergang, Dachdeckerschutzwand oder zuesätzlichi Massnahme (Art. 41). De Spenglergang liit debii höchschtens 1 m under de Traufi oder em Flachdachrand (Art. 58). E Fanglag, wo 2 m tüüfer liit, ersetzt ne drum nöd.
En Blick uf d dütsche DGUV-Wärt
E grosse Teil vom Grüschtmaterial uf Schwiizer Baustelle chunnt us Dütschland. Mit em chömed Montageaawiisige und Gwohnete, wo uf d DGUV Information 201-011 abgstimmt sind. D Grundgränze isch di glich: Au det liit de Fangbelag höchschtens 2,00 m under de Absturzkante. Im Detail beschriibt d DGUV aber no anderi Grösse:
| Punkt | Schwiiz (BauAV) | Dütschland (DGUV 201-011) |
|---|---|---|
| Absturzhöchi Fanggrüscht | höchschtens 2 m | höchschtens 2,00 m |
| Grössi vo de Fanglag | uskragend mindeschtens 1,5 m Uskragig | Breiti mindeschtens 0,90 m |
| Abstand zur Wand | im Verordnigstext nacheluege | höchschtens 0,30 m; meh nur, wänn de Belag d Kante inne um 0,50 m überragt und inne Siiteschutz hät |
| Siitliche Überstand | im Verordnigstext nacheluege | mindeschtens 1,00 m über de Arbetsberiich use |
| Uffangnetz | höchschtens 3 m Absturz | Netz i Schutzwänd nach DIN EN 1263-1 |
Passed Si uf: D 1,5 m Uskragig vo de BauAV und d 0,90 m Breiti vo de DGUV beschriibed nöd di glich Grössi und chönd nöd gägenand verrächnet wärde. Wer es Fanggrüscht nach ere dütsche Montageaawiisig ufstellt, prüeft d Schwiizer Aaforderig separat. Usserdem setzt d DGUV für Schutzgrüscht mindeschtens Lastklasse 2 voruus.
Für Netz i Schutzwänd nännt d DGUV mindeschtens Typ A2 mit 100 mm Maschewiiti und schliesst Chabelbinder und Bindedraht us. Netz, wo s Prüefgarn nöd prüeft worde isch, dörfed det höchschtens zwölf Mönet nach de Herstellig bruucht wärde. Für d Schwiiz sind die Aagabe nöd verbindlich, aber si gänd gueti Prüeffrage, wänn Netz us dütsche Beständ chömed.
Waar us Dütschland richtig iiplane
Öb Konsole, Beläg und Gländer vo me System für es Fanggrüscht taugt, staht i de Aufbau- und Verwendungsanleitung vom Hersteller, und nach dene Aagabe wird au montiert (Art. 60). D BauAV laht nur Grüscht und Teil zue, wo em Produktesicherheitsgesetz entspräched (Art. 47), und verbüütet verbogeni, knickti oder korrodierti Bestandteil (Art. 48). Für d Bstellig hät sich die Reiefolg bewährt:
- D Höchene vom Bau ufnäh und a jeder Absturzkante d 2-m- oder 3-m-Gränze iiträge.
- I de Aaleitig nacheluege, öb s System Fanglage mit de nötige Uskragig vorgseht.
- Beläg wähle, wo laut Aaleitig als Fangbelag zuegla sind.
- Occasion-Teil vor em Iibau einzeln kontrolliere, wie im Ratgäber Occasion-Grüscht beurteile beschribe.
- Konsole oder Verkleidige erscht aabaue, wänn d Tragsicherheit prüeft isch und de Grüschtersteller zuegstimmt hät (Art. 52).
Hüüfigi Fähler uf de Baustell
- D Fanglag bliibt une, während de Rohbau wachst; nach em nächschte Gschoss isch d 2-m-Gränze überschritte.
- Uf de Fanglag wärded Schalige, Stei oder Wärchzüügchischte abgstellt.
- S Netz hanget z tüüf, will d Befestigigspünkt det ringer erreichbar sind.
- Am Steildach wird e Fanglag plant, wo d BauAV en Spenglergang verlangt.
- Anderi Gwärb nämed Beläg oder Gländer sälber weg, obwohl Änderige em Grüschtersteller vorbehalte sind (Art. 64).
Kontrolle während de Nutzig
Jede Tag lueged d Betriebe, wo iri Lüüt uf em Grüscht schaffed, de Zuestand aa; häts Mängel, gaht niemer ufe (Art. 61). D Beläg wärded vo Schutt, Schnee und Iis befreit. Abschnitt ohni Freigab sperrt mer mit technische Mittel ab (Art. 63). Wänn Si für es Rohbau- oder Holzbauprojekt Grüschtteil us eusne Lager bi Ingolstadt oder Leipzig plaaned, gönd mir d Stuckliste gern mit Ihne dure.
Hüüfigi Frage
Wie tüüf darf es Fanggrüscht under de Absturzkante lige?
Höchschtens 2 m. De Wärt nännt Art. 66 BauAV, und au di dütschi DGUV Information 201-011 setzt d Gränze bi 2,00 m.
Us welere Höchi darf mer i es Uffangnetz gheie?
Nach Art. 67 BauAV us höchschtens 3 m. Drunder bruucht s zuesätzlich gnueg Freiruum für de Durchhang; d Wärt liferet de Netzhersteller.
Was isch es uskragends Fanggrüscht?
E Fanglag, wo siitlich über s tragende Grüscht usestaht. D BauAV verlangt defür mindeschtens 1,5 m Uskragig.
Darf ich uf em Fanggrüscht Material lagere?
Nei. D Fanglag mues frei bliibe, damit si en Sturz cha uffange. D DGUV verbüütet s Lagere uf Fanggrüscht usdrücklich.
Langet am Dachrand es Fanggrüscht?
Meischtens nöd. Je nach Dachneigig verlangt d BauAV en Spenglergang höchschtens 1 m under de Traufi, e Dachdeckerschutzwand oder wiiteri Massnahme (Art. 41 und 58).
Quälle
- Bauarbeitenverordnung BauAV vom Schweizerischen Bundesrat (SR 832.311.141), Stand 1. Januar 2024
- DGUV, Sachgebiet Hochbau: Information 201-011 zur Verwendung von Arbeits-, Schutz- und Montagegerüsten, Usgab Januar 2023